Never too old to rockn’roll!

ian_anderson

Ich weiß nicht, wann ich das erste Mal Jethro Tull live erleben durfte. 1967 wurde sie gegründet. Ich habe sie von Anfang an gemocht, so wild wie ihr Leader Ian Anderson mit seiner Querflöte rumfuchtelte und wie der Beelzebub selber aussah. Gefühlt sind es dreissig Jahre und mehr her, dass ich sie live das erste mal sah. Wie auch immer: seit dem bin ich absoluter Fan. Wann immer diese Band hier auftauchte, war ich dabei. Mindestens einmal im Jahr ist Tull-Time. Und meine Liebste muss mit. Denn ohne sie ist das Vergnügen nur halb so schön. Dabei ist das gar nicht so ihr Musikstil.

Nun ist die Band von Ian Anderson schon oft umgebaut worden. Viele Musiker gingen und kamen und jedes Mal wurden die Grabgesänge lauter. Ewig würde es die Band nicht geben. Die Formation der letzten Jahre ab 1987 mit Martin Barre an der Leadgitarre und Doane Perry am Schlagzeug war mir am liebsten. Eines der furiosesten Konzertedurften wir 2008 in Bad Brückenau erleben. Seit dem hat sich viel getan. Der Zahn der Zeit hat an Ian und uns genagt. Jethro Tull wurde aufgelöst und Ian versucht sich solo. So auch am 19. Mai in der Frankfurter Alten Oper.

Vorgruppe

Es fing schon mal gut an: Als das Publikum noch Platz nahm, wurden auf der Videowand hinter der Bühne Videos von Bands gezeigt, die Ian Anderson gut findet. Unter anderem auch die Violinistin Anna Phoebe, die dann sogar später im Konzert per Videoeinspielung ein Stückchen mitspielt. Eine nette Idee und großartige Geste und nicht zuletzt ein toller Zeitvertreib für das wartende Publikum. Besser als jede Vorband oder Musik vom Band. Fast übergangslos folgen Bilder vom neuen Konzeptalbum Homo Erraticus und schon geht es los …

Dass Ians Stimme kaputt ist, wissen wir schon lange. Das schmälert aber den Genuss überhaupt nicht. Zumal er sich diesmal Unterstützung in Form des jungen Sängers Ryan O’Donnell geholt hat. Beide harmonieren super zusammen. Der erste Teil des Konzertes wird von Ians neuem Album bestimmt. Es ist der typische Sound, aber irgendwie kommt keine Stimmung auf. Der Applaus bleibt höflich. Die sinfonische Geschichte hat einfach keine eingängigen Melodien, es fehlen die Hits. Jeder Song klingt irgendwie gleich und zusammen mit Ians gequälter Stimme macht das keinen Spaß. Toll gemacht allerdings das begleitende Video. Dann bricht Ian fast schon abrupt die Präsentation des neuen Albums ab und geht zu den Hits von Jethro Tull über. Sofort ist die Stimmung da, der Applaus deutlich enthusiastischer. Genial auch hier die Videos, die z.T. alte Konzertaufnahmen von Jethro Tull zeigen. (Fast) lippensynchron spielen Ian und seine hervorragende Band dazu (toller Martin-Barre-Ersatz: Florian Opahle). Das ist witzig zu sehen und zu hören. Und mutig: Ian scheut nicht den Vergleich mit alten Zeiten. Optisch und stimmlich hat sich alles verändert. Das Feeling ist das selbe geblieben. Und Ian rockt über die Bühne, fast agiler noch als vor 45 Jahren.

Fazit: Mit 68 Jahren ist Ian jedenfalls noch nicht zu alt für Rockn Roll. Und wir sowieso nicht. Deshalb bleibt die Losung: jedes Jahr mindestens zu einem Jethro Tull Konzert. Bis wir in der Kiste liegen!

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