25. Juli 2010
Der Sommer scheint zwar fast schon wieder vorbei, aber am Samstag hatte Paulus ein Einsehen mit den Feierwütigen in Zeitlofs und in Selters. Die einen schwoften bei Kaffee, Kuchen und Hummtata-Musik, die anderen groovten bei Folk, Rock und Soul und einer guten Portion Spanferkelrollbraten. Ich hatte die Ehre, beiden Veranstaltungen beiwohnen zu müssen dürfen. Nachmittags wollte ich meine Liebste ein bisschen mit meiner Anwesenheit unterstützen. Aber das war wohl gar nicht nötig. Souverän hatte sie die Kuchentheke und auch sonst alles im Griff. Nach einem herrlichen Stück Apfelweintorte hab ich unseren Spanier geschnappt und bin zur zweiten Fete gefahren.
Dort empfingen mich Phil und Fuchsi, die beiden Gittareros von Doc Fox & the Cocks, mit heißen Akustik-Rhythmen von AC/DC bis Led Zeppelin. Das war schon ein krasser Unterschied zur U100-Kapelle im Altenheim! Anschliessend klampften sich die Wingerts auf hessisch quer durch Rock, Pop, Latin und Blues. Dem Spanier war’s auch recht. Zumal noch andere Hunde dort waren und die Düfte des Grills unverschämt in der Schnauze juckten. Trotz allem war er aber sehr brav. Genau wie sein Herrchen, der trotz der vielen hübschen Dinger standhaft blieb und nur nach seiner Liebsten schmachtete, die es leider erschöpft vorgezogen hatte, nicht nach zu kommen. Die Sehnsucht war stärker und so verzichtete ich schweren Herzens auf die Steve-Scondo-Bluesband und machte mich vorzeitig heim. Aber am 7. August spielt Georg Crostewitz in der Neumühle. Mit Freundinnen. Und wir beide mit ihnen …

20. Juli 2010
Bei diesen Temperaturen und beim Anblick der leicht geschürzten Mädchen im Kurpark kam uns der Gedanke, ob man dem kleinen Spanier nicht auch etwas mehr Luft um die Ohren gönnen sollte. Ich finde es toll, die Liebste meint, vorher hätte er intellektueller ausgesehen. Er selber sieht nicht glücklich aus. Beim Gassigehen ist er allerdings ein ganzes Stück schneller geworden. Ob er nun endlich Nachbars Katzen kriegt?

Poco hat die Rundschau gelesen. Er ist ein sehr kritischer Hund. Die Nachrichtenlage hat ihm so gar nicht gefallen … Da hat die Wurst wohl auch nicht viel trösten können.

18. Juli 2010
Das Klischee vom darbenden, asketischen Studenten wurde am Freitag mal wieder von den Kids ad adsurdum geführt. Zu viert fielen sie bei uns ein wie weiland die Heuschrecken in’s gelobte Land. Wir hatten zum Grillabend geladen und vereinbart, dass nichts, außer Flüssigem und guter Laune, mitzubringen sei. Angesichts des bekannt guten Hungers des Nachwuchses hatten wir entsprechend eingekauft. Aber schon die erste, die dem Treppenhaus entstieg, trug einen großen Einkaufskorb vor sich her. Sie hatten am Vorabend auch gegrillt und brachten nun die ansehnlichen Reste mit. Dazu ein paar Kleinigkeiten für ein nachzuholendes Mittagsmahl. Kaum waren alle in der Hütte, wurden Brötchen geschmiert, mit allerlei Leckereien belegt und hungrig vertilgt. Mein Einwand, wir würden doch gleich grillen wurden mit einem genervten „Ach, Pappi! Wir haben doch so einen Hunger!“ abgetan. Ich hatte den ganzen Tag gefastet, um trotz Abnehmkur gut mithalten zu können und war nun entsprechend hungrig. Lange musste ich aber nicht warten: Exakt eine Stunde später kamen die ersten Unmutsäußerungen, warum denn der Grill noch nicht brennen würde.
Von da ab ging es bis kurz vor Mitternacht: Eine Leckerei nach der anderen kam auf den Tisch. Sardinen, Eitrige, Merguez, Grillfackeln, Schweinebauch, Hähnchenschenkel und Spare Ribs maßen sich mit deftigem Nudelsalat nach der Liebsten Rezept, Kartoffel- und Gurkensalat mit Feta von Phil und einem genialen, pikanten Wassermelonensalat. Ich staune immer wieder, was in die Bäuche unserer Kleinen rein passt. Natürlich kam auch der kleine Spanier nicht zu kurz, obwohl das aus seiner Sicht natürlich ganz anders aussah. Gefehlt hat nur noch das Pforzheimer Kind und seine neue Eroberung. Dann allerdings wären wir komplett kahl gefressen worden. So blieb ein bescheidener Rest übrig. Von dem wir Samstag, Sonntag und vermutlich Montag zehren werden.

14. Juli 2010
„Um das ganze Land herum ist aber eine berghohe Mauer von Reisbrei. Wer hinein oder heraus will, muss sich da erst überzwerch durchfressen.“ Ludwig Bechstein, Das Deutsche Märchenbuch, 1845, Das Märchen vom Schlauraffenland
An das Märchen musste ich heute Morgen denken, als ich die Liebste in’s Büro verabschiedete und mit dem kleinen Weltmeister Gassi gehen wollte. Unser Eingang ist mittlerweile fast zugewachsen. Wer uns besuchen will, wird sich bald durch fressen müssen. Nicht durch klebrigen Reisbrei, aber durch Tonnen von knackigen Zucchini und Tomaten. Schlaraffenland remastered, sozusagen. Zeitgemäß auf die Linie achtend nacherzählt. Und das passt ja nun wirklich, wo wir doch gerade unser Abnehm-Programm durchziehen.
„Die alten und garstigen …Frauen… (denn ein Sprichwort sagt: wenn man alt wird, wird man garstig) kommen in ein Jungbad, damit das Land begnadigt ist; das ist von großen Kräften; darin baden die alten Weiber etwa drei Tage oder höchstens vier, da werden schmucke Dirnlein daraus von siebzehn oder achtzehn Jahren.“
Unser Jungbrunnen heißt Sportstudio. Wir baden darin zweimal die Woche und sind auch schon ein paar Tage jünger geworden. Zumindest fühlen wir uns so (gut: nicht direkt nach dem Sport, da ist es eher umgekehrt). Die Liebste werde ich allerdings schon weit vor Erreichen der 30-Jahre-Marke aus dem Bade entfernen. Sonst komme ich da einfach nicht mehr mit. Hinter jungen Dingern her rennen zu müssen widerspricht ja auch dem schlaraffenländischen Grundgedanken.
„Die Spanferkel geraten dort alle Jahre überaus trefflich; sie laufen gebraten umher und jedes trägt ein Tranchiermesser im Rücken, damit, wer da will, sich ein frisches saftiges Stück abschneiden kann.“
Nun gut, bei uns ist es ein Hund. Und gebraten ist er auch noch nicht. Für Koreaner wäre er ja das passende Equivalent zum Schweinchen. Wir lieben zwar die asiatische Küche und haben unseren kleinen Spanier auch zum Fressen gern. Und manchmal wünsche ich ihn auf den Grill, den alten Satansbraten, wenn er nicht hören will. Trotzdem ist er als Nahrung tabu. So ist unser Schlaraffenland wohl noch nicht ganz perfekt. Aber wir arbeiten daran …

11. Juli 2010
Seit ein paar Tagen und Nächten weiß ich, was das bedeutet. Seit die Temperaturen sich um die 36 Grad und höher gemütlich gemacht haben, ist es mit unserer Gemütlichkeit aus. Am meisten leidet der kleine Spanier, dem die Hitze qua Herkunft eigentlich gar nichts ausmachen dürfte. Wenn da nicht das lange Fell wäre. Ich habe versucht, ihn davon zu befreien. Leider empfindet er das Brummen des Haarschneiders als persönliche Bedrohung und ist auch durch exzessive Erhöhung der Leckerli-Gaben nicht vom Gegenteil zu überzeugen.
Unser abendliches Leben spielt sich auf dem Balkon ab. Vor allem die Fütterung von Alt- und Jungtieren lässt sich dort etwas kühler gestalten. Die einzige Hitzequelle ist der Grill. Schön weit vom Tisch entfernt. Poco sitzt abwechselnd vor der Liebsten und mir und wartet geduldig, bis etwas herunter fällt. Lieblingsspeise ist Spaghetti ohne Tomatensauce. Wie schön, dass Frauchen so gutmütig ist und selbstlos ihre Portionen teilt. Ich tue mich mit meinen Würsten da schon etwas schwerer. Ist nämlich gar nicht gut für den Hund (für mich allerdings auch nicht).
Die Nächte fordern von den Liebenden schier Unmenschliches ab. Zieht uns die Lust auch magisch an, stößt uns die Hitze auch wieder ab. Wären wir ein Stirlingmotor, könnten wir auf diese Weise Strom erzeugen. So bleibt zwangsläufig eine unsichtbare Barriere zwischen uns, die genügend Luftzirkulation erlaubt. Balkon- und Haustüre sind offen und laden jedes vorbeikommende Lüftchen ein, unsere überhitzten Leiber zu streicheln. Aber selbst das hat letzte Nacht nicht geholfen. Trotzdem brauche ich den körperlichen Kontakt zur Liebsten. Mein kleiner Finger stiehlt sich heimlich an ihr Knie. Zu mehr Hingabe sind wir beide nicht mehr Fähig. Wenn aussen die Luft zu brennen scheint und innen das Feuer der Liebe brennt, vermischen sich Himmel und Hölle zu einer unerträglichen Melange.
Auch Poco überwindet seine Nächstenliebe zu Frauchen und Herrchen und speziell seine Vorliebe zum Füßekuscheln und liegt platt auf dem kühlen Parkett. Gegen 4:30 Uhr morgens hat er dann immerhin schon wieder so viel Kraft getankt, um die blöden Vögel zu verbellen, die Herrchen mit ihrem Gezwitscher wecken wollen. Guter Hund >-

15. Juni 2010
Endlich Feierabend! Ich freue mich auf drei Dinge: Meine Liebste, mein Hund und mein Abendessen. Erstere muss darf ich zurzeit von der Arbeit abholen, da die Bellissima kränkelt und ich mit der Suzie fahren muss darf. Dann gehen wir mit Zweitem in die Wiesen. Sein Bällchen ist natürlich dabei. Mit einer Schleuder werfen wir die rote Beute in hohem Bogen weg und unser Ballhase jagt wie der Blitz hinterher. Zu sehen, wie er in kurzen Sprüngen über das Gras schießt, immer schneller wird, immer weitere Sätze macht, bis er nur noch in der Luft zu schweben scheint, sich überschlägt, wenn er, beim Bällchen angekommen, plötzlich stoppen will, den Faden verloren hat und auf Ballsuche geht, das ist pures Glück. Dabei die Liebste im Arm. Einfach schön. Fehlt nur noch ein Weissbier.

Das gibt es dann anschließend. Zu einer leckeren Mahlzeit, die ich seit neuestem nach den Ideen meiner liebsten Chefin zubereiten darf muss. Das mach ich gar nicht so gerne, denn ich bin ein Kochmacho, wie er schlimmer nicht sein kann: Gefressen wird, was der geniale Meister, inspiriert von tausend und einem Kochblog, auf den Tisch zaubert. Das ist nicht immer nach der Chefin Geschmack. Und so habe ich aus lauter Liebe klein bei gegeben und lasse sie ran. Gott sei dank hat sie nicht immer Lust (zum Kochen) und ich darf wieder an den Herd. Gestern war es ein Ruccola-Süppchen mit Nusspesto und Bresaola. Ich mecker’ erst mal rum, denn Suppe ist doch was für zahnlose Opas. Aber schließlich bin ich wenigstens im passenden Alter, also probier’ ich das einfach mal. Was soll ich groß sagen: Es schmeckte einfach göttlich und passte, lauwarm, hervorragend zu dem schwülen Abend. Nur das Weissbier hat wieder mal gefehlt. Scheiß Diät!

29. Mai 2010
gibt’s bei uns ja öfters. Seit ein paar Tagen auch von der verlobtesten Fröschin, die sich fest vorgenommen hat, meine Vormachtstellung in der Küche zu unterwandern. Bei diesen Ergebnissen wird es mir schwer fallen, meine Position behaupten zu können. Gestern gab es ein vietnamesisches Kokossüppchen mit viel Koriander und Huhn. Monsieur Voung in Berlin hätte sie kaum besser hinbekommen! Saulecker! Den ganzen Abend bin ich immer wieder vor dem 3-Liter Topf gesessen und habe mich in Richtung Boden durchgenascht.

Selbst das Einkaufen macht sie anscheinend nun mit Freude, was bisher ja nicht gerade ihre Lieblingsbeschäftigung war. Ich fungiere als Fahrer und Bodyguard (nebst scharfem, spanischen Wachhund). Und habe plötzlich viel mehr Zeit, beim Bummel durch die Läden, die kuriosen Dinge des Lebens zu entdecken. Dass wir öfter mal unser Oma ihr klein’ Häuschen versaufen, wusste ich bereits. Dass die gute Großmutter aber nun schon selbst gekeltert wurde, war mir neu. Und ich bezweifle, dass sie durch Zugabe von Schokolade und Chili kaum genießbarer wird. Wir haben uns mit Schaudern abgewendet und statt dessen einen guten Äppler gewählt.

14. Mai 2010
Nach getaner Arbeit im Kongress schmeckt es noch mal so gut. Vor allem in Berlin. Wir lieben die vielfältigen kulinarischen Möglichkeiten dieser Metropole. Und so entdecken wir immer wieder wahre Kleinode der Gastronomie. Beispielhaft seien hier nur drei erwähnt. Das Tibet Haus in der Zossener Straße 19 in Kreuzberg ist eher ein Imbiss. Aber die Atmosphäre, die freundliche Bedienung und natürlich das Essen sind einfach toll. Und sehr preiswert.
Fans der Chinesischen Küche kommen im Wok-Show, in der Greifenhagener Straße 31 im Prenzlberg gar nicht teuer auf ihre Kosten. Der Inhaber ist passionierter Maler und überzeugt von seinem Können im ganzen Lokal, das dadurch den üblichen China-Kitsch durchbricht und ganz eigenständig daher kommt. Neben den obligatorischen Jiao-Zi, gedämpften oder gebratenen Teigtaschen mit allerlei verschiedenen Füllungen hatte ich einen Schweineohrensalat: saulecker!

Ganz versteckt unter einer S-Bahn-Trasse liegt ein Fisch-Restaurant, das seines gleichen sucht. Bahlikci Ergün serviert ausschließlich Fisch, lebend vom Bruder in Istanbul eingeflogen, frisch vom Grill oder aus der Pfanne. Dazu diverse Vorspeisen, Salate und eine Fischsuppe zum Eintauchen! Dazu gibt es knuspriges Weißbrot. Herr Ergün ist nicht nur ehemaliger Fußballer und glühender Verehrer von Fenerbace Istanbul, sondern auch Philosoph: Seine Gedanken, und mittlerweile auch die seiner Gäste, hängen überall auf gelben Zetteln an den Wänden und von der Ecke (türkisch müsste man können). Ein uriges, leckeres Erlebnis für alle, die das Zittern des Etablissements nicht stört, wenn eine S-Bahn drüber fährt. Und wer von Ergün nicht genug bekommt: Seine Fische verkauft er auch auf dem Markt am Maybachufer, Dienstags und Freitags. Dieser Markt ist übrigens ein weiteres Muss für Berlinbesucher.


Berliner Briefträger müssen sowohl über detektivische Fähigkeiten verfügen als auch ein großes Kunstverständnis an den Tag legen. In den Hackeschen Höfen haben wir im Hof eines alten Hauses diese Briefkastenanlage gesehen. Im Gegensatz zu dem Rest der Hackeschen Höfe, die schickimicki-schnieke wieder saniert wurden, will hier eine Initiative einen Hof so belassen, wie er nach dem Krieg in der DDR vor sich hingammelte. Der morbide Charme gruselt und verzaubert gleichermaßen.
