Ein Abend mit Konstantin

… hatte uns noch gefehlt in unserer Sammlung. Genau wie den Waader wollten wir den Wecker unbedingt mal live erlebt haben. Am schönsten wäre das ja bei der gemeinsamen Tour der beiden gewesen. Oder auch nicht. Die beiden passen eigentlich nicht auf eine Bühne, wie es scheint. Der Waader schüchtern, fast autistisch, der Wecker genau das Gegenteil …

Am Sonntag gab Konstantin Wecker sein Abschlusskonzert der Wut & Zärtlichkeit Tournee im Hanauer Schloß Phillipsruhe. Wir hatten Platzkarten, warum also hetzen? Und so setzten wir uns sonntagsgemütlich in Bewegung. Hätten wir geahnt, dass eine ziemlich blöde Baustelle und der sonntägliche Ausflügler-Rückreise-Verkehr unsere kommode Sicherheits-halbe-Stunde zu wenigen Minuten schmelzen ließ, wären wir früher in die Puschen gekommen. So hatten wir ein Dejavu-Erlebnis und mussten an Reinhard Mey denken, den wir auch nur zur Hälfte sehen durften, weil Straßenplaner uns einen Strich durch die Anfahrt-Rechnung machten. Zu allem Überfluß war der lokale Parkplatz auch schon voll und wir hätten irgendwo in Kilometer entfernten Wohngebieten ein Plätzchen für Jazzy finden und uns zu Fuß zurück zur Bühne schleppen müssen. Und das bei der Hitze! Aber ich kenne da keine Skrupel! Direkt vor der Einfahrt an der Kreuzung waren ein paar Zentimeter frei und im Nu von unserer Jazzy okkupiert. Den Hinweis von der netten Parkwächterin, wir bekämen bestimmt ein Knöllchen, steckten wir locker weg. Es wäre sicher billiger als die sonst notwendige Behandlung meiner Physiotherapeutin gekommen.

Kaum saßen wir auf sehr guten Plätzen in der 10. Reihe (ausreichend weit geschnitten für unsere Hintern) und dank Arenastufen guter Sicht, kam Konstantin mit seiner Band ganz unprätentiös auf die Bühne geschlendert, sagte ein paar launische Wort und legte los. Leise und poetisch. Ich hatte einen polterndes Energiebündel erwartet. Eine tolle Band mit Keyboarder, einem vielseitigen Drummer, der zeitweilig auch den ansonsten fehlenden Bass zupfte und einem Ersatz-Gittaristen, einem sehr sympathisch rüberkommenden jungen Mann, der sich das Repertoire an einem Tag drauf geschafft hatte und fantastisch spielte. Wecker mittendrin, sichtlich gut gelaunt, keine Spur von Tournee-Müdigkeit. Zwischen den Liedern immer wieder politische Statements, Kabarettnummern. Und dann auch die kraftvollen Lieder. Der Höhepunkt vor der Pause der Weltenbrand, eine furiose Nummer, bei der man staunt, wie so eine kleine Band einen solchen Sound schaffen kann!

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Schon vor der Pause hatte er darauf hingewiesen, dass er nicht länger als 22 Uhr spielen dürfe, wir sollten deshalb die Pause kurz halten. Er wolle doch noch einen schönen Abend haben… Und wie schön der wurde. Wecker und die Band spielten mit einer wahren Wollust und der Abend schien nicht enden zu wollen. Dann das Bad in der Menge: Konstantin geht durch die Reihen und genießt sichtlich die schon seit länger stehenden Ovationen. Gänsehaut-Feeling. Hier liefert einer nicht nur ab (wie Joe Cocker in Fulda) sondern hier lebt einer auf und spielt, was das Zeug her gibt. Das Publikum ist völlig aus dem Häuschen.

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Natürlich kann er nicht um Punkt 22 Uhr aufhören. Er kann es sichtlich nicht sein lassen. Nach fast 2,5 Stunden geht ein völlig erschöpfter Wecker von der Bühne. Ein toller Sonntagabend mit einem tollen Konstantin Wecker, einer tollen Band und einer tollen Frau an meiner Seite. Und Jazzy ohne Knöllchen. Na also: geht doch!

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